Kunstinspektion DONAU - Blog

Julius Deutschbauer, David Jagerhofer und Barbara Ungepflegt
Kunstinspektion DONAU - PERFORMANCE | Nähere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

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ab 18:00 gemütliches Denunzieren und Lamentieren bei Imbiss und Trank
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Blogeintrag Nummer 10:

5.5.2016: Blogwart Deutschbauer
Jener Anzeiger, der seine Anzeige mit den Runen der Waffen-SS unterschrieb, teilt der Kunstinspektion mit, er habe den Blogbeitrag Hofer oder so über seinen Auftritt in der Kunstinspektion DONAU „mit Schmunzeln gelesen“ und bedauere, dass die Inspektoren „als Künstler mit entsprechendem Verstand und Auffassungsgabe“ nicht realisiert hätten, dass die „Aktion eine spontane Satire war“. Nach graphologischer Analyse der Handschrift des Anzeigers am Anzeigenformular sind die drei Inspektoren einigermaßen erstaunt, dass der Anzeiger alphabeth sei. Dieses sehr persönliche Mail in geschliffenem Juristendeutsch, mutmaßen die drei, hat augenscheinlich Mamas Anwalt geschrieben. Dieser bittet die Kunstinspektion DONAU „das Foto“, welches den Sohn seiner Klientin zeige, „vom Blog zu nehmen“. Fast schon freundschaftlich unterzeichnet er den Brief mit „Gustav“. Die Kunstinspektion DONAU kommt der Forderung des Familienanwalts des Anzeigers mit dem Künstlernamen Gregor Artner mit sofortiger Wirkung nach. Seit dieser eigenmächtigen Veranlassung nennt Inspektorin Ungepflegt Inspektor Deutschbauer nur noch Blogwart. – Achtung! Dieser Blog löscht sich nach dem Lesen von selbst.
Aber jetzt zu Interessanterem: Ein Kremser Wirt brachte zur Anzeige, ein Stammgast habe wiederholt sein Gastrecht verletzt, indem er eine sehr spezielle Art der Rivalität, ja Fein(d)seligkeit erkennen ließ. Wie er das denn anstelle, fragte Inspektor Jagerhofer. Er maße sich die Rolle des Wirts, also seine Rolle an. „Der Wirt bin immer noch ich!“ Aber selbst Stammgäste würden jenen Stammgast wie den Wirt behandeln, bestellten bei ihm, sogar ein Teil des Trinkgelds landete bei ihm. Er, der Wirt, werde wie Luft behandelt, sobald jener Gast das Lokal beträte. „Mein Personal gehorcht seinen Anweisungen und zur Sperrstunde steht er am Ausgang und verabschiedet jeden Gast mit Handschlag, bevor er selbst sich verabschiedet.“ – „Hat er schon versucht, mit Ihrer Frau zu schlafen?“ – „Soweit käme es noch!“ antwortete der Wirt und verließ erbost sein Lokal.
Inspektor Jagerhofer, ein stiller und aufmerksamer Zecher, wurde im Lokal ab- und der mutmaßlich anmaßende Gast unter Beobachtung gestellt.
Und prompt brachte der wegen des Delikts, sich die Rolle des Wirts anzumaßen, angezeigte Gast zur Anzeige, dass der Wirt seines Stammlokals seine Ehre als Gast nicht beschütze und damit dem ehernen Gesetz „Der Wirt muss seinen Gast ehren“ widerspräche. Er sei des Öfteren angehalten gewesen, sich selbst zu bedienen, da der Wirt ihm keine Aufmerksamkeit zukommen ließ. Anstatt ihn, den Gast, vor Zudringlichkeiten anderer Gäste, mit denen er in keiner besonderen Beziehung stünde, zu schützen, wäre er mehrmals dazu aufgefordert worden, für diese Bier zu ordern oder ihnen sogar zu servieren. Reklamationen der anderen Gäste gingen immer zu seinen Lasten und der Wirt hielt sich außen vor. Er selbst sei stets bemüht gewesen, das Bestmögliche zu versuchen, solchen Situationen aus dem Wege zu gehen, aber immer wieder habe ihn der Wirt in die Rolle des Wirts gedrängt, indem sich dieser selbst als Gast benahm. So sei es schon vorgekommen, dass er des Wirts Bestellung aufnehmen musste. Beim Zahlen aber sei es wiederholt zu Schwierigkeiten, ja zu Gerangeln, gekommen.
Auf die Frage, warum er nicht einfach das Wirtshaus wechselte, meinte er, das sähe er gar nicht ein, schon sein Vater und sein Großvater hätten dieses Wirtshaus frequentiert, außerdem hätten in den letzten Jahren viele Wirtshäuser zugemacht oder den Besitzer gewechselt bzw. die Öffnungszeiten zu seinen Ungunsten gewechselt.
Der bereits in diesem Lokal abgestellte Inspektor hält nun auch den mutmaßlich nachlässigen Wirt unter Beobachtung.


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Blogeintrag Nummer 9:

4.5.2016: Exposition, Peripetie und Katastrophe
Ein älterer Herr kommt in die Wachstube der Kunstinspektion DONAU im Cafe Ulrich, nimmt Inspektor Deutschbauer am Ärmel seiner Dienstjacke und zieht ihn über den Südtirolerplatz zu einen Lokalaugenschein zum frisch renovierten Denkmal des Generals Karl Eibl. Dieser General soll auch zu den eigenen Leuten besonders grausam gewesen sein. Der ältere Herr zeigte auf die kleine Verkehrsinsel, gegenüber dem Karl-Eibl-Denkmal, wo bis in den Mai 1945 Widerstandskämpfer und Desserteure erhängt wurden. Dort soll, nach Angaben des Bürgermeisters, angeblich-hoffentlich bis mutmaßlich-anscheinend ein Denkmal für Widerstandskämpfer errichtet werden. „Ich kann mich als Bua daran erinnern, wie die da hingen“, berichtet der Zeitzeuge.
„Aus dem Gebüsch langt, wie aus einem Zelt, /die Gräser bewegend mehr als leichter Wind, /
die Hand des Bürgermeisers.“ (Ann Cotten, Verbannt, Berlin: Suhrkamp Verlag 2016, S. 66)
Auch verspricht er, alles daranzusetzen, dass die Straßenschilder, die die Namen hochdekorierter Mitglieder der NSDAP wie Hans Plöckinger und Maria Grengg („In meinen Büchern geht es mir darum, die Ideen des Nationalsozialismus in künstlerische Form zu kleiden und sie so dem Volke in leicht fasslicher Art zu vermitteln.“) mit entsprechenden Zusatzschildern zu versehen.
Ein rotes Buch über die hochverdiente kommunistische Stadträtin der Nachkriegszeit Therese Mahrer liegt auf seinem Schreibtisch. Ihr in einem Straßennamen zu gedenken, wie das Dr. Robert Streibel in seiner „Anzeige wegen historischer Versäumnisse“ anregt, wird wohl noch einige Generationen dauern.
„Exposition, Peripetie und Katastrophe“ (ebda.: S. 59) nennt Ann Cotten die drei Inspektoren. Die Zuordnung ist klar: Barbara Ungepflegt ist die Exposition, David Jagerhofer die Peripetie, Deutschbauer die Katastrophe.
Während Inspektorin Ungepflegt von der Kripo Krems zu einer mit den Runen der Waffen-SS unterzeichneten Anzeige (siehe: Blogeintrag „Hofer oder so“) befragt wird, studieren ihre beiden Kollegen im Stadtarchiv der Stadt Krems die Verzeichnungs- und Registrierungsblätter der Nationalsozialisten von Krems (17 Bde. und 10 Hefte), von Stein-Förthof (3 Bde.), von Krems - Stein - Rehberg, (3 Bde.); einen Ordner Schriftverkehr 1938 bis ca. 1941, ein Einlaufbuch und ein geheimes Brieftagebuch 1940; das Ortsrecht der Gauhauptstadt Krems (2 Bde.), das Weisungsbuch der NSDAP sowie das Ostmarkgesetz 1941 und das Gemeindegesetz 1945, des Weiteren das Gästebuch der Stadt Krems, angelegt 1939.
Schließlich wühlen sie sich in drei Stöße, nebeneinander liegend: 1. Stoß (links): Volksabstimmung 1938; 2. Stoß (Mitte): Beratung der Ratsherren 1939–1944 (blauer
Akt) / Hauptsatzung der Stadt Stein (blauer Akt); 3. Stoß (rechts): Belege Museum 1944 / Mitgliedslisten der NSDAP (2 Mappen) / den Akt Johann Stich / den Sammelakt mit Diversem / das Verzeichnis der Radios und den Akt der Reichskanzlei über das Vermögen des Stiftes Göttweig, der sich als Fotokopie aus dem Bundesarchiv Koblenz herausstellt.
Dann nehmen sie sich den Karton mit Ausweisen, ab 1938, die Mitgliedsbücher der Deutschen Arbeitsfront von 1938 und den Karton mit Lebensmittelkarten 1940–1944 vor. Für die 8 Kartons Kauf- und Pachtverträge 1939–1945, mit dem Material zu Liegenschaften, Grundstücken, Häusern einschließlich dazugehörige Verträgen und Angaben zu Mieten sowie für das gesamte Materialkonvolut zur Arisierung werden sie wohl noch Wochen brauchen.
Zu erwähnen wäre noch, dass der Hertha-BSC-Fan Werner Kienle zur Anzeige brachte, Hertha BSC hätte schon dreizehn Jahre nicht mehr im Olypiastadion München gespielt, wie im Blogbeitrag „Hofer oder so“ behauptet wird.
Die Anzeige von Boris Ceco, dass er nicht verstehen könne, warum eine so unpolitische Position wie die Kunstinspektion DONAU Besuch von bekennenden Nationalsozialisten bekämen, das so brisante Flüchtlingsstück von Gods Entertainment hingegen nicht, wurde mit dem Aktenvermerk „Nazineid“ geschreddert.
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Blogeintrag Nummer 8:

2.5.2016: Brust oder Keule
Korrespondierend zum Montagswetter regnete es am Wochenende auch Anzeigen gegen das Donaufestival selbst. Meistangezeigt ist nicht etwa der Festivalleiter Tomas Zierhofer-Kin, die inhaltliche Programmausrichtung oder ähnliches, sondern die Hühnerschnitzelsemmel.
Im Zuge ihrer Recherchen dringen die drei Inspektoren in eine Hühnerschnitzelfabrik am Stadtrand von Krems, nur einen Steinwurf vom jüdischen Friedhof entfernt, ein. Dort werden sie allerdings schon erwartet und mit vorgehaltener Flinte dazu gezwungen, große Mengen Industriehühnerschnitzelsemmel zu essen. Einmal eine andere Form von Anfütterung, und was für eine! Ja, es ist genug da für eine ordentliche Anfütterung. Einer Antränkung im Bürgermeisterbüro wäre Ihnen in diesem Augenblick wohl lieber.
Angetränkt statt angefüttert. Angeschlafen statt ausgeschlafen. So liederlich statt solide.
Vor Ekel von Pusteln übersät, verlieren die drei jeglichen Geschmackssinn (Ageusie) und müssen ins LKH Krems eingeliefert werden. Zierhofer-Kin schwört am Krankenbett der drei Besserung und verspricht für das nächste Jahr – – Ach!
„Zwei Gedankenstriche und das Ausrufezeichen deuten an, was nicht gesagt werden kann, lassen das Unaussprechliche als Bild spürbar werden… durch ein wortloses, aber umso beredteres Schweigen.“ (László F. Földényi, Heinrich von Kleist / Im Netz der Wörter, München: Matthes & Seitz 1999, S. 15) – –Ach, für nächstes Jahr verspricht der Intendant gar alles.
Bis es aber soweit ist, empfiehlt die Kunstinspektion DONAU dem Festivalbesucher, sich an den Ratschlag des russischen Schriftstellers Wenedikt Jerofejew in Die Reise nach Petuschki zu halten. Angewandt auf Hühnerschnitzelsemmel bedeutete das Folgendes: „Des Rätsels Lösung ist schließlich ganz einfach, nämlich: ihr müsst, nachdem ihr die fünfte Hühnerschnitzelsemmel gegessen habt, die sechste, siebte, achte und neunte in einem Zug essen, allerdings ideell, das heißt, in der Vorstellung. Mit anderen Worten: ihr müsst durch pure Willenskraft und in einem Zug, die sechste, siebte, achte und neunte Hühnerschnitzelsemmel nicht essen.“
Abwechslung bieten auch die durch den Bürgermeister Dr. Reinhard Resch initiierte Sprachenvielfalt.* So kann man nach einer Hühnerschnitzelsemmel um € 4,50 eine Plastry kurczaka lniane um € 4,50 essen, danach eine felii de pui bălai um € 4,50, schließlich eine цхицкен кришке боје лана um € 4,50, gefolgt von einer. شرائح الدجاج الكتانيum € 4,50, einer 鶏のスライス亜麻色 um € 4,50, einer broilerisuikaleita pellavainen um € 4,50, einer tavuk dilimleri keten um € 4,50, einer φέτες κοτόπουλο από λινάρι um € 4,50, einer vipande kuku flaxen um € 4,50, einer fatias de frango de linho um € 4,50 und so fort.
Eines allerdings sei all den Hühnerschnitzelsemmel-AnzeigerInnen frei nach Jesu Worten aus dem Matthäusevangelium ins Stammbuch geschrieben: "Der Mensch lebt nicht von der Hühnerschnitzelsemmel allein, sondern von einem jeglichen Wort, das vom Programm des Donaufestival ausgeht."

*Nach ihrem Besuch beim Bürgermeister, hat dieser veranlasst, alle Speisekarten in Krems mindestens fünfsprachig auszupreisen. Zierhofer-Kin reagierte sofort. Er ließ Hühnerschnitzelsemmel gleich in zehn Sprachen übersetzten.
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Blogeintrag Nummer 7:

1.5.2016: Hofer oder so
Berlin-Krems, Sonntag, 24.4.2016: Am Weg von Berlin über München nach Krems fordert die deutsche Polizei Inspektor Deutschbauer auf, den Speisewagen sofort zu verlassen. In allen Zügen, die einen Speisewagen führen, benützt Deutschbauer immer den Speisewagen. Noch ist er allein mit der grünen Polizei. Acht Mann und ein Befehl: ihn aus dem Speisewagen zu lotsen! Alle anderen Gäste sind der Aufforderung bereitwillig gefolgt, aber Deutschbauer weigert sich sein halbes Bier, seine halbe Halbe, zurücklassen. Mitnehmen kann ich es nicht, dem steht der Bücherstapel im Weg. Bier oder Bücherstapel? Welcher Bücherstapel? Er entscheidet sich für‘s Bier. Für Bierkampf. Mit dem Ruf „Sieg heil! Fick geil! Sieg heil!“ drängen Fans von Hertha BSC in den Speisewagen, der inzwischen zum Sonderspeisewagen erklärt wurde. „Wer liest ist schwul!“ Das ging wohl an seine Adresse. „Wer liest ist schwul! Wer liest ist schwul! Wer fickt ist cool! Wer fickt ist cool!“ Endlich haben die Schaumkronen der im Takt auf den Tischen aufschlagenden Bierdosen und -flaschen die Wagendecke erreicht. Die grüne Polizei mahnt zur Mäßigung.
Ein bekennender Leser und geheimer Nationalsozialist, nein, kein bekennender Leser, kein geheimer Nationalsozialist, ein bekennender Nationalsozialist und geheimer Leser steckt Deutschbauer verstohlen einen Zettel zu. Eine Buchempfehlung. Robin Hobb: Die Zauberschiffe. Deutschbauer hat Angst. Vor dem lesenden Nationalsozialisten? Vor den Nationalsozialisten von Hertha BSC? Vor den deutschen Polizisten? Er holt Bier. Die Nationalsozialisten von Hertha BSC danken es ihm mit einem Lied. „Hoch auf dem gelben Wagen leuchtet ein Hakenkreuz.“ Deutschbauer holt Bier. „Wo der Flieder blüht, da ist es schön, so schön. Und wo der Führer brüllt, dort will ich steh’n, so steh’n.“ Er holt Bier. Es gibt kein Bier. Die deutsche Polizei, Polizei, Polizei hat die Sicherheitslücke entdeckt und erweitert das Alkoholverbot nun auch auf ihn. Sie verhängen ein Alkoholverbot, einen Bierbann über ihn. Er kommt mit Mineralwasser zurück. „Mit Gas, mit Gas, mit Gas, wenigstens das!“ grölen die Nationalsozialisten von Hertha BSC. „Wir ficken dich in den Arsch, du Kanakenfotze!“ Die Nationalsozialisten von Hertha BSC haben endlich Deutschbauers Fotze entdeckt. Er ist mindestens so freizügig wie die. Er ist mindestens so durstig wie die. Als durstigen Mann, der in langen Zügen das Bier der Erinnerung schlürft, dürstet ihm nach der Seele deutscher Frauen. Deutscher Geist, deutsche Seele, trockene Kehle. Die Nationalsozialisten von Hertha BSC trinken sein Wasser mit Gas „auf den Österreicher“. Und gleich noch einmal: „Auf den Österreicher!“ Und mit dem Österreicher meinen sie nicht ihn.
„Judensau! Judensau!“ skandieren die die Nationalsozialisten von Hertha BSC, nachdem er ihre Frage, das große Entweder-Oder des österreichischen Fußballs „Rapid oder Austria?!“ mit „Austria, natürlich!“ beantwortet hat und verschütten dabei ihre letzten Reste an Bier. Immerhin war Rapid im Jahre 1941 deutscher Meister, und 1939 deutscher Pokalsieger! Deutsche Klasse statt englische Liga.
„München Hauptbahnhof“, tönt der Schaffner aus den Lautsprechern. Deutschbauer steigt in den Zug Richtung Österreich um, die Nationalsozialisten von Hertha BSC machen sich Richtung Olympiastadion auf.
In Krems wird Deutschbauer von seinen Kollegen bereits erwartet. Die drei Inspektoren finden Krems in Feierstimmung vor. Natürlich haben an diesem Wahlsonntag nicht alle Kremserinnen und Kremser was zu feiern. Prompt wurde am nächsten Tag jeder dritte Kremser, jede dritte Kremserin angezeigt, Hofer gewählt zu haben.
Krems, Samstag, 30.4.2016: Fünf Männer, eine Frau und ein Hund betreten die Wachstube der Kunstinspektion DONAU im Halbstock des Stadtcafés Ulrich. Zwei Männer, die junge Frau und der Hund halten sich im Hintergrund. Einer scheint dem Führer der illegalen NSDAP Österreichs, Codenamen „General Leopold“, der in den 30igerjahren häufig im Stadtcafe Ulrich verkehrte, wie aus dem Gesicht geschnitten.
Gleich zwei Anzeigen werden eingebracht, wobei eine sofort von Inspektorin Ungepflegt geschreddert wird, da der Anzeiger sie mit einem Namen signierte, der augenscheinlich nicht mit seiner Person übereinstimmte. Obgleich der Anzeiger glaubhaft machen kann, dass er sich mit H.C. Strache so sehr identifiziere, dass es auf dasselbe herauskäme, ob er mit seinem Namen oder den seines Idols unterschriebe, waltet die Inspektorin ihres Amtes.
Die 2. Anzeige wird zwar anonym eingebracht, aber korrekt mit dem Runenzeichen der SS unterzeichnet. Angezeigt werden alle Flüchtlinge, wegen illegalen Grenzübertritts ohne gültige Visa, was einen Straftatbestand erfüllte, sowie des Wirtschafts- und Sozialbetrugs. „sie haben schlechte Religion, sind dunkelhäutig, reden eigenartige Sprache, beuten das Land aus, leben auf unsere Kosten. SIE STEHLEN MEIN GELD!“
„General Leopold“ kontrolliert die Angaben seines Stichs, bevor Inspektorin Ungepflegt – sie hat wie immer die gesamte Einvernahme per Bodycam aufgezeichnet –, die Anzeige mit einem Eingangsstempel versieht.
Eine Schlägerei konnte nur knapp vermieden werden, indem die Inspektoren Deutschbauer und Jagerhofer ihre Kollegin unter Einsatz äußerster körperlicher Kraft zurückhielten. Die Anzeiger verließen die Wachstube mit deutschem Gruß und dem Ruf „Heil Hofer“.
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Blogeintrag Nummer 6:

30.4.2016: Michl oder so
Gestern ereilte die Inspektoren ein aufgeregter Anruf aus Weißenkirchen. „I håb då an sehr komplizierten Fåll. Seids a dafür zuständig? – Ja? – Dånn kum i eine.“ Stunden später schleppt sich ein Mann (gemäß Anzeigeformular Jahrgang 1944) auf zwei Krücken in die Wachstube. Bald stellt sich heraus: Der Anzeiger ist ein Angezeigter ist ein Anzeiger ist ein Angezeigter usf.
Inhalt der Anzeige: Weißenkirchen, 22.1.2016, 15:50. Die Sonne steht tief an diesem Wintertag, ein Zebrastreifen, eine Frau steht am Gehsteig, allerdings nicht an der Gehsteigkante, sodass der Lenker (=Anzeiger) sie, auch wegen der tiefstehenden Sonne, nicht wahrnimmt. Also fährt er unbedarft über den Gehsteig. Sofort wird er von einem Polizeiauto eingeholt und angehalten. Seine Beteuerungen, die Frau sei geduckt im Hintergrund gestanden, fruchten nicht. Der Beamte ist unerbittlich. Am Ende gibt es eine Verwaltungsstrafe von € 40,--, die der Anzeiger bar bezahlt. Bis es dazu kommt, vergehet eine ¾ Stunde, in der dem Anzeiger das Austreten polizeilich verwehrt wurde. Man muss wissen, der Mann laboriert an einem entzündlichen Prostataleiden. Seine erwachsenen Kinder stoßen mit ihm deshalb schon seit Jahren mit „Prost Tata“ an. Eine Einvernahme mit den Kindern ist noch nicht erfolgt. Dafür gab uns der niederösterreichische Wetterdienst bekannt, dass es am 22.1.2016, 16:00 in Weißenkirchen minus1,6 Grad hatte. Die Minusgrade und der Harnverhalt führten bei dem Anzeiger unmittelbar zu einer Prostataentzündung. Am 23.1.2016 frühmorgens wurde der Anzeiger mit der Rettung ins Kremser Krankenhaus gebracht. Die Prostataentzündung schwellte zwar ab, aber ein Dominostein ergab den anderen. Eine Knieoperation stand am Ende der kausalen Kette, die am 22.1.2016, 15:40 auf der Landstraße zwischen Weißenkirchen und Krems ihren Anfang nahm.
Auf die Frage nach dem Namen des Beamten, der ihm das alles angetan hätte, antwortet der Anzeiger: „Michl oder so.“
Trotz intensiver Nachforschungen konnte ein Polizist namens „Michl oder so“ nicht ausgemacht werden. Die Weißenkirchner Polizei hält augenscheinlich dicht. Dagegen fühlt sich der Anzeiger seit jenem Vorfall am 22.1. unter polizeilicher Beobachtung und das nicht nur in Weißenkirchen, sondern auch in Krems. Just in diesem Moment schaut die Polizei in der Kunstinspektion DONAU vorbei. Inspektor Jagerhofer bietet ihnen Schnaps – Kirsch- bzw. Mirabellenschnaps des Südtiroler Schwarzbrenners Simon S. – an. Sie tränken nicht im Dienst, behaupten sie und ziehen, nicht ohne noch zuvor einen scheelen Blick auf den Anzeiger aus Weißkirchen geworfen zu haben, ab.
„Der Brenner ist zu“, bedauert der Schwarzbrenner, „die nächste Lieferung wird sich verzögern“. Trotzdem händigt er der Kunstinspektion DONAU noch zwei Flaschen aus, unter der Hand, versteht sich.
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Blogeintrag Nummer 5:

29.4.2016: Interne Ermittlungen
Mehrfach angezeigt wurde die Kunstinspektion DONAU selbst.
- Drei Mal wegen Steuergeldverschwendung. Man solle das Geld lieber in die echte Polizei zur Flüchtlingsabwehr investieren.
- Angezeigt wurde auch der Künstlername Julius Deutschbauer, den der 1961 als Daniel Ropač in Klagenfurt geborene Inspektor der Kunstinspektion DONAU in einem Interview mit Thomas Trenkler für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift morgen – KULTUR NIEDERÖSTERREICH EUROPA als solchen preisgab. (Der Mann der Schwägerin, in: http://www.morgen.at/htm/aktuell.html)
Im Folgenden ein Auszug der Anzeige.
Von: Franz Krahberger (E-Mail-Adresse der Kunstinspektion bekannt)
Gesendet: Samstag, 23. April 2016 08:18
An: kunstinspektionDONAU@gmx.at
Betreff: julius daniel popowic ropatschick, deutschmann, du bist mit an bord >>> have a look for yours
Wichtigkeit:
„[…] solltest du das interview mit m o r g en als fake angelegt haben, ist es mir auch recht
nicht schlecht
du kannst ja was, du bierschuetter, putzfrauenbua, bibliothekar der ungelesenen buecher
(das laesst sich auch negative selektion vom deitschbluatla lesen […] blind folded man)
ans ist klar, der echte watzlawick, der paul aus villach, danach paolo alto, war und bleibt besser, als du jemals sein kannst. anleitung zum frohsinn. der hat ja im gegensatz zum waldi waldheim und & seinen slawischen namen beibehalten.
ich hab mich mit watzlawick am internationalen pen congress im wiener hilton um 1990 herum eine stunde unterhalten […] das thema: doppelbindungen im kaerntner volksgroupies konflikt […]
vielleicht landest du noch am sunset boulvard beim ex villacher fresskuenstler puck, wo arnie die eicherne niete gern hin gegangen ist
vorwaerts, aufwaerts junger mann, ohne decken und mit taeuschen / puckiwood ruft
als filmstar waerst guat, wennst es kannst!
[…] haider haberer
erinnere dich an das siebte siegel von ingmar bergmann, ein wort daraus habe ich mir fuer alle zeiten gemerkt : SCHLEIMSCHESSER
julius, du hast mich einmal mehr amuesiert
is a storke rechte spitzkurven vom ropac zum deutschbauer
ist wie waclawik nach waldi waldheimer
die waldheimer hiessen vorher waclawik
so wie der simmeringer windhund westentaschler vorher hojac geheissen hat
na jo
ist germano slowenisches gebraeu
scheiss da nix […]
Der Beschuldigte wurde von seinen Kollegen intensiv befragt und bestraft. Die Art der Strafe ist ihm seither deutlich anzusehen: auf seiner Stirn prangt in Manier des Films „Inglourious Basterds“ ein eingeritztes C mit Hatschek. Auf seinem Schild wurde der Name Deutschbauer auf Deučbauer geändert.
- Des Weiteren wurde die „Nicht-Erwähnung des Festival der Regionen, wie im Vertrag vereinbart!“, bei welchem die Kunstinspektion bereits 2013 tätig war, angezeigt. Tatsächlich war die Kunstinspektion im Juni 2013 beim Festival der Regionen in Eferding (OÖ) ermittelnd tätig. Wir tun Buße und kriechen zu Kreuze, aber das wird den mutmaßlich säkularen Anzeiger wohl nicht befriedigen.
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Blogeintrag Nummer 4:

28.4.2016: Seelenlose Wirtsleut‘ und Schließzeiten
Auf der Suche nach einem offenen Geschäft nach 18 Uhr, nach einem offenen Lokal, das länger als bis 21h30 offen hält, könnte man in Krems/Stein ein Roadmovie drehen. „Nach 18 Uhr sind die Bürgersteige hochgeklappt“, gibt die Anzeigerin zu Protokoll. Offensichtlich Deutsche. Würde eine Kremserin sich so ausdrücken? Bei der Aufnahme ihrer persönlichen Daten gibt sie an, Katharina Ungemüse zu heißen, an der Donauuniversität zu lehren. Letztere Angabe scheint zu stimmen, die Namensangabe wirkt angesichts dessen, dass Inspektorin Ungepflegt diese aufgenommen hat, eher aus der Luft gegriffen. Sei’s drum: die Anzeige ist trotzdem mehr als berechtigt, allein deshalb, da sie bereits von mehreren Anzeigerinnen eingebracht wurde, u.a. von einer gewissen Bettina Querulant aus Krems.
Bei der Beweisaufnahme mussten wir feststellen, dass selbst nach stundenlangem Herumirren mit unserem Einsatzfahrzeug außer einer Pizzeria in Stein kein Lokal auszumachen war, das nach 21h30 uns nicht mit dem Zuruf „Wir machen gleich zu“ empfing. Was für ein Empfang?! Ein anderer häufig vorkommender Spruch lautet: „Wir bedanken uns bei unseren Stammkunden für ihre jahrelange Treue und schließen am …“ Endlich parken wir vor unserer Bleibe, dem Parkhotel, ein. Die Hotelbar im Parkhotel ist finster, und der Getränkeautomat im 2. Stock längst entfernt. So bleibt auch uns wie so vielen Kremserinnen und Kremsern nichts anderes als uns durstig auf unsere Zimmer zurückzuziehen: Allein und unbeschäftigt und niemand da, der mithält.
Es scheint, dass sich an Krems und Stein sich Jesu Gleichnis aus Matthäus 25, 42-43 zu erfüllen: „Ich wurde hungrig, aber ihr gabt mir nichts zu essen, und ich wurde durstig, aber ihr gabt mir nichts zu trinken. Ich war ein Fremder, aber ihr nahmt mich nicht gastfreundlich auf, nackt, aber ihr bekleidetet mich nicht.“
„Uninspirierend, unlässig, undynamisch“, nennt Bettina Querulant die Kremser Lokalszene, in der immer mehr Lokale in immer weniger Hände einzig zur Massenmenschenhaltung lägen. Krems/Stein, eine einzige Tote-Hosen-Allee!
Sperrstunde noch zu fast tagheller Zeit und Schließtage zu Zeiten, wo endlich etwas los wäre, mit Vorliebe an Wochenenden. Es liegt die Vermutung nahe, dahinter stecke eine Maßnahme des Familienministeriums, die in Krems besonders gut greife: so ist die Familie bereits um 20 Uhr, spätestens um 22 Uhr um den Familientisch vereint und an Wochenenden gleich den ganzen Tag. Ja, in Krems gehört der Sonntag noch der Familie und der Samstag gleich dazu.
Aber damit nicht genug. Die Institutionen machen es den Lokalitäten gleich:
Eine Anzeige wurde gegen die Kunsthalle eingebracht, die keinen langen Donnerstag anbietet, eine andere gegen die Stadtbücherei Krems mit Öffnungszeiten von Mo bis Fr 9:00 bzw. 14:00 - 18:00. „Samstag, Sonntag und Feiertag geschlossen!!“, verkündet die Homepage und versieht diesen Satz stolz mit gleich zwei Rufzeichen. Ein Anruf bei der Leiterin der Stadtbücherei Christiana Reischl bleibt erfolglos, sie verweist uns an die ihr vorgesetzte Behörde und deren Leiter Kulturreferent Dr. Franz Schönfellner, Körnermarkt 14. „Für derlei Fälle und inspektoriale Untersuchungen ist die Rechtsabteilung der Pressestelle und deren Leiterin ist Doris Denk des Rathauses zuständig.“ Wir bleiben dran.

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Blogeintrag Nummer 3:


27.4.2016: Nyktophobie in der Sauna
Seit Jahrhunderten erfreuen sich Menschen verschiedener Kulturen an unterschiedlichen Formen von Schwitzbädern. Bei den Indianern in Nordamerika zum Beispiel heißt das Schwitzbad inipi, in Russland banja, in der Türkei hamman, in Japan mushiburo, in der Wachau schlicht Sauna, obgleich Sauna ein finnisches Wort ist. So weit so gut.
Wie die meisten guten Hotels, haben auch die führenden Hotels in Krems eine Sauna.
War es das Steigenberger, das Klinglhuber oder das Arte Hotel, in dem unser Anzeiger saunierte, wir dürfen s nicht erwähnen, um den Gast (sprich: Anzeiger) nicht zu gefährden, sonst blühte ihm gar noch ein arges Schicksal. Die Folgen solcher Anzeigen sind sattsam bekannt: 3 Männer sitzen in der Sauna. Der eine (unser Anzeiger) hat eine rote Mütze auf. Der zweite Mann hat eine Zeitung. Der dritte Mann hat eine Thermoskanne. Der Mann mit der roten Mütze wird erstochen aufgefunden. Wer war es und wie hat er es gemacht? Es wird immer ein Rätsel bleiben.
So weit ist es aber noch nicht gekommen. Zuerst einmal zur Anzeige: Am 27.4.2016 gab der Anzeiger (Name ist den Inspektoren bekannt) im Wachzimmer der Kunstinspektion DONAU zu Protokoll: „Das Licht in der Sauna ist defekt. Blinkt bei gewaltsamen Schließen der Saunatür kurzfristig auf, dann Dunkelheit.“ Das Wort „Gefährlich!“, setzt er in Versalien hinzu.
Diese Situation brachte unseren Anzeiger ordentlich ins Schwitzen und warf seine Nyktophobie (übersteigerte Angst vor Dunkelheit) an.
Seine Phobie richtete sich unerwartet auf einen ihm unbekannten Saunapartner, der plötzlich zum Angstobjekt mutierte. Anstelle der Angst vor der Dunkelheit trat die Angst vor dem Saunapartner. Naturgemäß kam es dadurch nur zu einem Ersatz ohne Unlustersparnis. Unser Anzeiger versuchte wiederholt zu fliehen, aber seine Phobie hatte ihn derart gelähmt, dass ihm jeder Fluchtversuch misslang. Als der Unbekannte, der sich noch in Unkenntnis über den Zustand unseres Anzeigers befand, zu scherzen geruhte, änderte sich dessen Figur unwiderruflich in die eines Feindes, was folglich in unserem Anzeiger selbst eine Mordlust ins Werk setzte, die beinahe zur Ausführung gelangt wäre, hätte der Unbekannte nicht rechtzeitig den Weg ins Freie gefunden.
Als die Inspektoren der Kunstinspektion Donau dieser Anzeige nachgingen und amtshandelten, wurden sie vom Hotelier mit einer Bauerneierspeise abgespeist, die ihrem Namen alle Ehre machte. Nichts desto Trotz bleibt die Frage offen, ob es sich bei dieser Hotelsauna nicht etwa um einen getarnten Darkroom handle.

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Blogeintrag Nummer 2:

Krems, 26.4.2016: Der Kohlhaas von Krems
Die Ursach‘ seines Zorns ist längt vergessen, trotzdem ist er so ganz und gar darauf versessen. Vom Bürgermeister, Gerichtspräsidenten bis zum Magistratsdirektor, alle zeiht er des Alkoholismus. Bewaffnet mit Einsatzfahrzeug, Bodycam, und Nachtsichtgerät, wartet er in Gebüschen, duckt sich hinter Mauern, bis einer sich verrät. Bei solchen Anschuldigungen wird Deutschbauer rot und zieht sich sofort unter den Tisch zurück, und oben bleiben der Kohlhaas von Krems und der Rest der Inspektion für sich allein. Das alles trug sich am 25.4. nach 18 Uhr zu, als erste Amtshandlung des ersten Tags. „Über der Tischplatte und zu ebener Erd“ hätte Nestroy diese Amtshandlung wohl genannt. Über der Tischplatte die gestrengen Inspektoren, darunter der Deutschbauer: er bestellt sich vier Bier, denn „das Tier trinkt ein Bier, der Mensch trinkt vier“ (Herbert Achterbusch). „Hier bin ich sicher“, denkt sich Inspektor Deutschbauer, „hier entdeckt mich nicht mal der Kohlhaas von Krems – Kleist hätte seine Freude an ihm gehabt – trotz Nachtsichtgerät.“ Und keine und keiner, so heißen die zwei, von seinen Kollegen verrät ihn an ihn. Unterm Tisch sitzt niemand. So wird er auch ab sofort genannt. Endlich bringt der bärtige Herr Peter, die Seele des Cafes Ulrich, das Bier. Blitzschnell zieht Deutschbauer von Ungepflegts Füßen die Schuh‘. Kohlhaas Schuhe lässt er in Ruh. Er will wohl keine Anzeige riskieren. Barbaras elegante Beinkleider stehen nun endlich wie zwei Kelche bereit, um das Bier – zwei gegen vier – in sich aufzunehmen, damit Deutschbauer es sich, ohne sich zu schämen, hinter die Binde gießen kann. Martin Luther – „Wer das Bierbrauen erfunden hat, der ist ein Unheil für Deutschland.“ – und Friedrich Nietzsche – „Der Geist der Deutschen wird durch Bier niedergehalten.“ – assistieren ihm bei diesem Vorhaben, während oben über mindestens 70 Verwaltungsübertretungen mit einem Gesamtschaden von Euro 3 Millionen in nur dreizehn Jahren für den Anzeiger verhandelt wird: über gefälschte Gemeinderatssitzungsprotokolle zu Kohlhaasens Lasten, illegales Blaulicht auf dessen Autodach, das sich allerdings als Leberkäsewarmhaltebox entpuppt, über unangemeldete Werbung an Fahrrädern, wobei es sich dabei nur um ein Aufzeigen von Missständen handelt. Er wurde präventiv dreimal zu 40 Tagen Haft – wie er meint, zu Unrecht – verurteilt. Die Haftbedingungen waren allerdings in Ordnung: Er durfte hinaus faxen. Von unterm Tisch allerdings kein Mucks. Sobald Deutschbauer ausgenüchtert ist, werden die drei Inspektoren Kohlhaasens Anzeigeflut nachgehen. Was glaubt der denn eigentlich, wie lange die Kunstinspektion DONAU vor Ort sein will? Dreizehn Jahre? „Mindestens so lang brauchen die allein für meine Anzeigen“, denkt sich breit grinsend dieser, schwingt sich in seinen fahrenden Einsatzwarmhaltetoaster und braust davon.

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Blogeintrag Nummer 1:

25.4.2016: Die Eröffnung
Obwohl wir den Beschwerdebriefkasten vor dem Stadtcafe Ulrich bei unserer Ankunft am 23.4. in Krems aufgebrochen vorfanden – inzwischen haben wir ihn mit doppeltem Schloss gesichert und regelmäßig patrouliert ein privater Sicherheitsdienst vorbei –, konnten wir ihm bereits 20 Anzeigen entnehmen, einige sind per Post eingelangt, einige wurden per E-Mail (kunstinspektionDONAU@gmx.at) eingereicht. Als erste Amtshandlungen jedoch gingen wir keinen Anzeigen nach. Erst einmal ging es ans Waschen unseres schwarzen Einsatzwagens Ape 50 Europe: zu diesem Zweck entliehen wir der Besenkammer des Parkhotels einen kleinen Eimer und einen gebrauchten Wettex (neu: 20,5 x 17,5 cm). Alte Wettex wischen besser. Im turnusmäßigen Wechsel ging der Wettex reihum. Endlich ging es mit Blaulicht und unter Begleitung einer Tuba Richtung Südtirolerplatz, Richtung Wachzimmer im Stadtcafe Ulrich: David Jagerhofer am Steuer, die Kollegen auf der Ladefläche: Julius Deutschbauer unter Bedeckung seiner Dienstmütze, Barbara Ungepflegt an der Tuba, den Stadtpark entlang, am Denkmal „Südtirol nicht vergessen“ – am Ende unseres Wirkens ins Krems werden wir dort einen Kranz niederlegen. Dann wird dieses Denkmal aber längst „Zierhofer-Kin nicht vergessen“ heißen. – vorbei, bis zum Steinertor. Dort parkten sie forsch auf ihrem reservierten Dienstparkplatz ein und machten sich daran unter dem Ehrenschutz des Intendanten Thomas Zierhofer-Kin und des Cafetiers Siegfried Wagner die Fahnen der Kunstinspektion DONAU zu hissen. Inspektor Jagerhofer hielt die Leiter, während Inspektor Deutschbauer die eine Fahne hisste. Inspektor Deutschbauer hielt die Leiter, während Inspektor Jagerhofer die andere Fahne hisste. Inspektorin Ungepflegt intonierte an der Tuba das alte DDR-Lied „Wir tragen die blaue Fahne“, bis Thomas Zierhofer-Kin endlich feierlich erklärte: „Hiermit erkläre ich die Kunstinspektion DONAU für eröffnet.“

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